Was bedeutet die Bezeichnung „Biedermeier“ und woher kommt sie?

Historisch bezeichnet man die Zeitspanne von 1815 (Ende Wiener Kongress) bis 1848 (Beginn bürgerliche Revolution in den Ländern des deutschen Bundes) als die „Biedermeier“ Zeit.

Der Bezeichnung „Biedermaier“ stammt aus einer Parodie auf den treuherzigen Dorfschullehrer Samuel Friedrich Sauter der in den Münchner Fliegenden Blättern ab 1855 von Ludwig Eichrodt, Jurist und Schriftsteller, und dem Arzt Adolf Kußmaul, verspottend als Gottlieb Biedermaier bezeichnet wurde. Aus dem Biedermaier wurde dann ab 1869 der heutige Begriff Biedermeier mit ei geschrieben.

Gottlieb Biedermaier war der Inbegriff eines Spießbürgers, der mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden war und sich auch politisch nicht engagierte. Laut Eichrodt: dem seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und sein dürftiges Los eines verachteten Dorfschulmeisters zur irdischen Glückseligkeit verhelfen.

Welchen Einfluss hatte die Zeit des Biedermeier auf den Möbelbau?

Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff Biedermeier als Epochenbezeichnung in der Mode und in der Architektur- und Kunstgeschichte.

Somit war Biedermeier nicht mehr negativ besetzt und als spießbürgerlich verachtet sondern es wurde die handwerklich Qualität als auch die elegante Schlichtheit  wieder wertgeschätzt. Möbel aus der Biedermeierzeit wurden nachgebaut. Diese Möbel, die ca. zwischen 1890 und ca. 1910 entstanden sind werden heute als  aus er 2. Biedermeierzeit bezeichnet. Da diese Möbel teilweise auch schon in Serie gefertigt wurden fehlt Ihnen oft der Flair der Einzigartigkeit eines Stückes aus der originalen Biedermeierzeit.

Was sind die Hauptmerkmale eines Biedermeier Möbels?

Biedermeier Möbel wurden meist sehr schlicht gehalten. Typisch ist z.B. ein schlichter Korpus mit konisch zulaufenden Füssen.

 Kommode Biedermeier

Es gibt wie in jeder Epoche Möbel die von einfachen Dorfschreinern gemacht wurden, Möbel die in den Städten von Handwerksmeistern hergestellt wurden  als auch Stücke die  für den Adel angefertigt wurden. So gesehen gibt es große Unterschiede in Qualität und Verarbeitung. Ein bäuerliches Stück wurde zum Beispiel eher aus Massivholz gefertigt. Dabei gibt es auch wieder eine Unterscheidung von Weichholz und Hartholzmöbel. Weichholzmöbel waren natürlich billiger und erschwinglicher für den einfachen Bürger. Meistens wurden die Weichholzmöbel mit einer Bierlasur versehen, bei der man mit einem speziellen Kamm die Maserung eines Hartholzes nachgemacht hat. Weichholzmöbel, wie man sie heute im Handel bekommt sind meist in der Oberfläche abgelaugt und dann gewachst. D.h. der alte Bierlack wurde entfernt. Durch das Ablaugen bekommt das Holz dann gelblichen Schimmer. Dies ist eine typische Reaktion des Weichholzes mit der Natronlauge.

Hartholzmöbel wurden entweder aus Massivholz gefertigt oder es wurde auf Weichholz (im süddeutschen Raum) oder auf Eiche (Frankreich und Norddeutschland) furniert. Entgegen der Annahme das Massivholzmöbel wertvoller sind als furnierte Möbel ist es so, dass ein furniertes Biedermeiermöbel sehr viel aufwändiger zu machen war als ein massives Stück. Das Furnier wurde zu dieser Zeit noch von Hand gesägt und hatte meist eine Stärke von 2-3 mm. Heutzutage werden Furniere mit großen Maschinen mit großen Messern hauchdünn geschält und haben nur noch eine Stärke von 0,2 bis 0,5 mm.

Mit diesen von Hand gesägten Furnieren wurden dann durch aufklappen (stürzen) der einzelnen Furnierblätter kunstvolle, meist spiegelbildliche Furnierbilder in den Fronten, auf der Platte und auf den Seiten gestaltet. Also typisch Biedermeier: schlichter Korpus und kunstvoll gestaltete Furnierbilder.

Hier ein paar Beispiele von furnierten Biedermeier Kommoden in Nussbaum und Kirschbaum:

Kommoden

Man kann sich vorstellen dass das ein wesentlich größerer Aufwand ist als nur das einfache massive Brett zu verarbeiten.

Und hier Biedermeier Kommoden in Massivholz:

Durch eine Schellack-Handpolitur oder durch Wachspolituren wurde dann in einer aufwändigen Prozedur die Oberfläche veredelt.

 

 

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